Eine Runde an Ärzt*innen, Pflege und Therapeut*innen sitzt rund um einen Tisch
Zurück

Qualität beginnt mit Patient*innen-aufklärung

Medizin

Eine bariatrische Operation bedarf einer umfassenden prä-, peri- und postoperativen Betreuung durch ein interdisziplinäres Team, das Betroffenen beratend zur Seite steht. Die Qualität in der Adipositas-Chirurgie beginnt mit der intensiven Patient*innenaufklärung, denn der chirurgische Eingriff ist kein Allheilmittel per se, sondern geht mit drastischen Lebensveränderungen einher. Voraussetzung dafür ist die Compliance der Patient*innen. Im Göttlicher Heiland Krankenhaus trifft ein Team aus den Bereichen Diätologie, klinische Psychologie, Anästhesie, Innere Medizin und Chirurgie die individuelle Therapieentscheidung gemeinsam mit Betroffenen.

Der Body Mass Index (BMI) ist bei bariatrischen Eingriffen Indikator für die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse. „Zum Einsatz kommt Adipositas-Chirurgie üblicherweise bei einem BMI von 35 mit bzw. bei einem BMI von 40 auch ohne Zusatzerkrankungen“, konkretisiert OÄ Dr. Brigitte Obermayer, Leiterin des Adipositas-Zentrums im Göttlicher Heiland Krankenhaus. Angesprochen sind Menschen, die bereits eine lange Vorgeschichte aus gescheiterten Diäten mit anschließendem Jojo-Effekt haben und mit einer Diät alleine ihr Ziel einer verbesserten Lebensqualität nicht erreichen würden. Im Göttlicher Heiland Krankenhaus werden Menschen von 18 bis etwa 70 Jahren operativ behandelt. Bei morbider Adipositas geht es nicht mehr lediglich um das Wohlbefinden und die Ästhetik, sondern vordergründig um die (Risiko-)Reduktion gefährlicher Komorbiditäten wie Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs. „Eindeutig mit Adipositas assoziierbar sind Darm-, Gebärmutterhals- oder Blasenkrebs“, erklärt Obermayer.

Auch Ausschlusskriterien für eine bariatrische Operation müssen beachtet werden: „Die Compliance der*/des* Betroffenen muss gegeben sein, da bariatrische Eingriffe immer mit einer drastischen Lebensumstellung einhergehen.“ Es geht hier – je nach Operationsmethode – vordergründig um die tägliche Einnahme von Multivitamin, Calcium und Vitamin D. Auch das Trink- und Essverhalten muss angepasst werden. Eine Suchterkrankung wäre beispielsweise eine Kontraindikation für eine bariatrische OP, da die Gefahr besteht, dass das übermäßige Essen nach erfolgtem operativem Eingriff durch eine neue Sucht kompensiert wird.

Fast 200 Eingriffe im Jahr

Im zertifizierten Adipositas-Zentrum im Göttlicher Heiland Krankenhaus werden grundsätzlich drei OP-Methoden bei morbider Adipositas angeboten – am häufigsten durchgeführt werden der Y-Roux Magenbypass und der Omega Loop Bypass, gefolgt von der Sleeve Resection. „Die Magenband-Implantation wird aufgrund der vergleichsweise niedrigen Erfolgsquote im Langzeitverlauf nicht mehr durchgeführt“, so Obermayer. Im Göttlicher Heiland Krankenhaus werden pro Jahr knapp 200 von Adipositas betroffene Patient*innen operiert. Die Zahlen steigen stetig, wobei der Anteil der Frauen mit 79 Prozent deutlich überwiegt. Demgegenüber steht eine größere Verbreitung der morbiden Adipositas bei Männern. Frauen sind nach Obermayers Einschätzung eher bereit zu einer Operation, um ihre Lebensqualität zu steigern.

Mehr zur Behandlung von Adipositas
Ärztin mit brauen schulterlangen HAaren

„Im multidisziplinären Adipositas-Board werden die Krankengeschichten der einzelnen Patient*innen besprochen und individuelle Entscheidungen zu Therapie und Operation getroffen.“

OÄ. Dr.in Brigitte Obermayer

Leiterin Adipositas-Zentrum

Laparaskopische Eingriffe mit unterschiedlicher Wirkungsweise

Beim Y-Roux Magenbypass wird ein kleiner Anteil auf der Klein-Kurvatur-Seite des Magens abgetrennt und mit dem Dünndarm verbunden. Das minimiert einerseits das Aufnahmevolumen und verkürzt gleichzeitig die Verdauungsstrecke. Die Folge ist, dass nicht alle Nahrungsbestandteile zerlegt und vom Körper aufgenommen werden. Neben Kalorien betrifft das auch Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die ein Leben lang substituiert werden müssen. Der Omega Loop Bypass ist eine Variation der Magenbypass-Operation mit gleichem Prinzip, wobei der Darm im Gegensatz zum klassischen Magenbypass nicht durchtrennt, sondern eine Dünndarmschlinge mit dem Restmagen verbunden wird. Vorteile: eine kürzere Operationszeit und Aufenthaltsdauer im Krankenhaus, weniger postoperative Komplikationen. Zu keiner Verkürzung der Verdauungsstrecke, sondern lediglich zu einer Minimierung des Magenvolumens kommt es bei der Sleeve Resection: Ein großer Teil des Magens wird entfernt, sodass dieser schlauchförmig verkleinert bleibt. Die Betroffenen können daher kleine Portionen „normal“ essen, und es kommt zu weniger Mangelerscheinungen. Diese OP kann nicht rückgängig gemacht werden und eignet sich nicht für Menschen, die an einer Reflux-Erkrankung leiden. „Die Entscheidung zu einer Operationsmethode erfolgt nach präoperativen Untersuchungen und entsprechend der Komorbiditäten der Patient*innen“, erklärt Obermayer und konkretisiert, dass eine bestehende Diabetes-Erkrankung beispielsweise für eine Bypass-OP spricht. Patient*innenwünsche eine bestimmte Methode betreffend, die manchmal aufgrund von Erfolgsgeschichten von Verwandten oder Bekannten bestehen, werden gemeinsam besprochen und nach Möglichkeit erfüllt.

Zertifiziertes Zentrum

Das Adipositas-Zentrum ist nach IFSO (European Chapter of International Federation for the Surgery of Obesity and Metabolic Disorders) zertifiziert. Die anerkannte Organisation bewertet das Zentrum im Drei-Jahres-Zyklus nach Kriterien wie Operationszahl, Ausstattung, Ausbildung der Operateure, Verfügbarkeit von begleitenden Fachabteilungen sowie einem erfolgten Follow-Up von mindestens 80 Prozent der operierten Patient*innen.

Konservative Behandlungsmethoden

Als Alternative für Patient*innen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht für eine Operation in Frage kommen, nennt Brigitte Obermayer die Therapie mit GLP-1-Agonisten, die nun langsam besser verfügbar sind, aber immer noch aufgrund der Kosten und des primären Nutzens für Diabetes-Patient*innen sparsam eingesetzt werden. Zur Vorsicht rät die Expertin außerdem in puncto Langzeitgebrauch: „Die Wirkung lässt nach einem gewissen Zeitraum nach. Ohne Ernährungsumstellung kann keine dauerhafte Gewichtsreduktion erreicht werden. Die Erfolgsrate ist nicht mit der einer Operation zu vergleichen.“ Im Göttlicher Heiland Krankenhaus wird derzeit keine Langzeit-Begleitung bei konservativer Behandlung für Patient*innen angeboten.

Ähnliche Beiträge zu diesem Thema