90 Jahre Göttlicher Heiland Krankenhaus

Die Schwestern vom Göttlichen Erlöser gründeten das Göttlicher Heiland Krankenhaus in Dornbach. Mit 100 Betten war es damals das modernste Krankenhaus Wiens und umfasste die Bereiche Innere Medizin, Chirurgie und Radiologie sowie ein Ambulatorium für Bedürftige. 

90 Jahre Göttlicher Heiland Krankenhaus in Dekaden:

(verfasst von Historikerin Dr. Helga Penz)

1935–1944

Am 30. Oktober 1935 wurde das neue Spital der Schwestern vom göttlichen Erlöser vom Erzbischof von Wien, Kardinal Theodor Innitzer, eingeweiht. Bei der Feier anwesend waren die Generaloberin Sr. Cäcilia Wehner, die das Krankenhausprojekt auf den Weg gebracht hatte, sowie der Architekt des Spitalgebäudes, Stadtbaumeister Bruno Buchwieser.

Im Jahr 1939 haben die Nationalsozialisten das Krankenhaus übernommen und als Lazarett für Kriegsverwundete geführt. Erst nach Kriegsende wurde das Spital dem Orden zurückgegeben.

1945–1954

Die Schwestern vom göttlichen Erlöser waren nicht nur Erbauerinnen des Spitals, sondern leiteten und verwalteten es selbst, arbeiteten als Krankenschwestern und bildeten Pflegekräfte aus. Der katholische Frauenorden war im Jahr 1849 in Niederbronn im Elsass gegründet worden und ist seit 1857 in Wien tätig.

1955–1964

Bei seiner Gründung wurde das Göttlicher Heiland Krankenhaus sehr modern ausgestattet und später erweitert. Im Jahr 1959 wurde die Gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung eröffnet.

1966–1974

Ein großer Zubau zum Krankenhaus wurde im Jahr 1965 fertiggestellt und die Bettenanzahl auf 300 erhöht. Auch eine neue Spitalskirche wurde eingeweiht.

1975–1984

Katholische Ordensfrauen wie die Schwestern vom göttlichen Erlöser haben im 19. Jahrhundert dem Beruf der „Krankenschwester“ nicht nur seinen Namen, sondern auch sein heutiges Profil gegeben.

Im 20. Jahrhundert nahmen die Eintritte in den Orden ab. Aufgaben in Pflege und Verwaltung wurden nun angestelltem Personal übertragen.

1985–1994

Die grundsätzliche Ausrichtung des katholischen Spitals, sich den leidenden, kranken und auch sterbenden Menschen ganzheitlich zuzuwenden, führte im Göttlicher Heiland Krankenhaus zu bahnbrechenden Innovationen in der Palliativ- und Altersmedizin. Die 1992 errichtete Palliativstation St. Raphael war das erste stationäre Hospiz in Österreich.

1995–2004

Im Jahr 1999 wurde im Göttlicher Heiland Krankenhaus die erste Fachabteilung für Akutgeriatrie und Remobilisation eröffnet, mit Vorbildwirkung für ganz Österreich.

2005–2014

Die Weiterführung des Göttlicher Heiland Krankenhauses im Geist ihrer christlichen Gründerinnen garantiert seit dem Jahr 2004 seine Eingliederung in die Vinzenz Gruppe. Diese ist ein Zusammenschluss mehrerer Ordensspitäler in Wien und Oberösterreich.

2015–2025

Das Göttlicher Heiland Krankenhaus ist heute Fachklinik für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Neurologie mit Zentrum für Gefäßmedizin und Chirurgie sowie Spezialisierung auf Altersmedizin. Sein Motto ist: „Gesundheit kommt von Herzen.“

 

"Der Anfang geht immer mit." - 90 Jahre Göttlicher Heiland Krankenhaus im Detail

 

Helga Penz

Am 30. Oktober 1935 wurde das neue Spital der Schwestern vom göttlichen Erlöser vom Erzbischof von Wien, Kardinal Theodor Innitzer, eingeweiht. Bei der Feier anwesend waren unter anderem die Generaloberin Sr. Cäcilia Wehner, die das Krankenhausprojekt auf den Weg gebracht hatte, sowie der Architekt des Spitalgebäudes, Stadtbaumeister Bruno Buchwieser. Lange hatten die Ordensfrauen nach einem geeigneten Bauplatz gesucht. Die Wahl fiel auf Dornbach, weil die Benediktiner-Erzabtei St. Peter in Salzburg hier seit dem Mittelalter Grundbesitz hatte und bereit war, einen Teil davon zu verkaufen, damit der Orden hier sein eigenes Krankenhaus errichten konnte.

Die Schwestern vom göttlichen Erlöser waren schon seit dem Jahr 1857 in Wien tätig. Ein katholischer Wohltätigkeitsverein, der ausschließlich von Frauen geführt wurde, hatte sie von ihrem damaligen Mutterhaus im elsässischen Niederbronn in die Hauptstadt der Habsburgermonarchie geholt. Sie sollten bei den sozialen Aufgaben des Vereins, besonders bei der Betreuung von Waisenkindern und armen Kranken, mithelfen. Im 19. Jahrhundert waren es vor allem religiös motivierte Frauen, die für die wachsende Bevölkerung Wiens und die notleidenden Arbeiterfamilien ein soziales Netz schufen. Am Ende des Jahrhunderts gab es kaum ein Spital in Österreich, in dem nicht Ordensfrauen als Krankenschwestern Dienst taten – und damit einem ganzen Berufsstand seinen Namen gaben.

Für eine Ordensfrau war und ist Krankenpflege mehr als nur eine medizinische Dienstleistung. Sie versteht ihre Aufgabe vielmehr ganzheitlich als Zuwendung zu körperlichen wie seelischen Bedürfnissen. War im 19. Jahrhundert die Spiritual Care („spirituelle Fürsorge“) – freilich ganz im katholischen Sinn – noch selbstverständlich, setzte sich im 20. Jahrhundert das säkulare, öffentliche Krankenhaus durch. Der Staat übernahm es nun, soziale Einrichtungen zu führen. Die Frauenorden begannen, ihre Personalressourcen auf Spitäler und Heime zu konzentrieren, die sie nach ihren eigenen Vorstellungen selbst führen und in denen sie auch ihren Nachwuchs ausbilden konnten.

Die Schwestern vom göttlichen Erlöser – sie hießen damals noch „Töchter vom göttlichen Heiland“ (daher auch der Name ihres Krankenhauses) – statteten ihr Spital mit den modernsten medizinischen Geräten aus, besonders in der chirurgischen und in der Röntgenabteilung. In dem kleinen Privatspital mit hundert Betten hatten die beiden ersten Primarärzte Anton Kerner, ein Lungenfacharzt, und Wilhelm Stöhr, ein Chirurg, die Möglichkeit, Spitzenmedizin zu praktizieren. Den Ordensfrauen war aber auch der soziale Aspekt ihres Krankenhauses wichtig. Weil damals noch viele Menschen keine Krankenversicherung hatten, darunter besonders Arbeitslose und Bedürftige, wurde ein eigenes Ambulatorium für mittellose Patientinnen* und Patienten* geschaffen.

Im Jahr 1939 haben die Nationalsozialisten das Krankenhaus übernommen und als Lazarett für Kriegsverwundete geführt. Katholischen Ordensfrauen wurden soziale Aufgaben untersagt, Neueintritte verboten. In der Krankenpflege sollten die Schwestern von weltlichem, der Partei genehmen Personal abgelöst werden. Erst nach Kriegsende wurde das Spital dem Orden zurückgegeben. Die Schwestern kümmerten sich um Renovierungen und Erweiterungen. Im Jahr 1959 wurde die Gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung eröffnet. Ein großer Zubau wurde im Jahr 1965 fertiggestellt und die Bettenanzahl auf 300 erhöht. In den darauf folgenden Jahren wurden neue Abteilungen gegründet. Die Anzahl der geistlichen Schwestern nahm dagegen immer mehr ab. Aufgaben in Pflege und Verwaltung wurden nun angestelltem Personal übertragen.

Die grundsätzliche Ausrichtung des katholischen Spitals, sich den leidenden, kranken und auch sterbenden Menschen ganzheitlich zuzuwenden, führte im Göttlicher Heiland Krankenhaus zu bahnbrechenden Innovationen in der Palliativ- und Altersmedizin. Die 1992 errichtete Palliativstation St. Raphael war das erste stationäre Hospiz in Österreich. Im Jahr 1999 wurde Wiens erste Fachabteilung für Akutgeriatrie und Remobilisation eröffnet, mit Vorbildwirkung für ganz Österreich.

Die Weiterführung des Göttlicher Heiland Krankenhauses im Geist der Schwestern garantiert seit dem Jahr 2004 seine Eingliederung in die Vinzenz Gruppe. Diese ist ein Zusammenschluss mehrerer Ordensspitäler in Wien und Oberösterreich. Das Wort des heiligen Augustinus – nach dessen Ordensregel die Schwestern vom göttlichen Erlöser leben — vom Anfang, der immer mitgeht, ist für die Spitalsleitung der Auftrag, die Klinik im Sinne ihrer christlichen Gründerinnen weiterzuführen.

 

Mehr zum Orden

Die Schwestern vom Göttlichen Erlöser sind nach der Schließung des Konvents im Göttlicher Heiland Krankenhaus im Jahr 2016 ins niederösterreichische Gablitz gezogen. >> Zu Besuch bei den Ordensschwestern in Gablitz.