
„Vom Gefühl her immer noch unser Krankenhaus“
Auf Stationen, in Ambulanzen, in der Aufnahme und auch im Vorstand prägten jahrzehntelang Ordensschwestern den Alltag im Göttlicher Heiland Krankenhaus. Nach der Schließung des Konvents im Spital im Jahr 2016 zogen sich die ehrwürdigen Schwestern in das Kloster St. Barbara ins niederösterreichische Gablitz zurück. Einige der rund 26 verbliebenen Klosterschwestern erinnern sich mit uns anlässlich des 90-jährigen Jubiläums zurück an die Zeit des Miteinanders von geistlichen und weltlichen Mitarbeiter*innen im Krankenhaus.
Schwester Alfonsa
(„Du musst unter Menschen“, sagte die Generaloberin nach viereinhalb Jahren in der Aufnahmekanzlei des Krankenhauses zu ihr. Nach ihrer Funktion als Kindergartenleiterin in Klosterneuburg war sie für 16 Jahre im deutschen Karlsruhe und leitete eine Essensausgabe für Obdachlose.)
„Wenn ich das Krankenhaus heute betrete, ist es vom Gefühl her immer noch unser Krankenhaus“
„Das Herz hat ‚auweh‘ gesagt, aber der Verstand wusste, dass es notwendig war“, erzählt Schwester Alfonsa über den Moment, als sie im Jahr 2004 von der Übernahme des Göttlicher Heiland Krankenhauses durch die Vinzenz Gruppe gehört hat. Etwas Wehmut ist angesichts der knapp 80 Jahre dauernden Leitung der Schwestern zum Göttlichen Erlöser des 1935 von ihnen gegründeten Krankenhauses verständlich. Doch Schwester Alfonsa versichert: „Wir übergeben unsere Werke rechtzeitig und ordentlich, so auch das Göttlicher Heiland Krankenhaus.“ Alfonsa, die sich nach ihren Erzählungen schon früh „wie ein Magnet von Klosterschwestern angezogen fühlte“ ist schlussendlich in den Orden „wie mit einem Schuhlöffel in einen Schuh hineingerutscht“. Sie trat nämlich im März 1976, nach Absolvierung der Vorschule für die Krankenpflege des Ordens und der Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin in der Wiener Kaiserstraße im 7. Bezirk, ins Noviziat ein. Damals lebten und arbeiteten rund 130 geistliche Schwestern im Göttlicher Heiland Krankenhaus - im Labor, in der Apotheke und jede Station hatte eine geistliche Schwester als Führungskraft. Darunter Schwester Elfriede, die acht Jahre lang Stationsleiterin der Chirurgie war.
Schwester Elfriede
(Eine kompetente Krankenpflegerin in den unterschiedlichsten Bereichen: Orthopädie, Gynäkologie, Chirurgie und in der Hauskrankenpflege.)
„Ich war schon eine strenge Stationsleiterin (lacht). Aber wir haben auch viel Spaß im Team gehabt“, erinnert sich die gebürtige Bosnierin. „Als ich 1970 begonnen habe, gab es eine einzige weltliche Krankenpflegerin.“ Schwester Elfriede blickt auf zwanzig Jahre im Göttlicher Heiland Krankenhaus zurück – als Krankenpflegerin auf der Gynäkologie und Chirurgie. Später arbeitete sie neun Jahre auf der Orthopädie im Barmherzige Schwestern Krankenhaus. Nach zehn Jahren im Mutterhaus in der Kaiserstraße, zog sie 2019 nach Gablitz. Im Göttlicher Heiland Krankenhaus war sie erst kürzlich zu Besuch, unter anderem bei OA Dr. Peter Rausch, den sie schon zu ihrer Zeit als Konsiliararzt kennenlernte. Ihn erwähnt auch Schwester Walburga.
Schwester Beatrix & Schwester Walburga
(Schwester Walburga (stehend) ist wohl noch einigen Mitarbeiter*innen bekannt: In den 50 Jahren im Göttlicher Heiland Krankenhaus hat sie als Krankenpflegerin auf fast allen Stationen gearbeitet, zum Schluss in der Ambulanz. Schwester Beatrix (sitzend) hat mit Schwester Jacinta die Palliativstation St. Raphael ins Leben gerufen. Knapp 30 Jahre hat sie im Göttlicher Heiland Krankenhaus gelebt und gearbeitet.)
„Die Arbeit auf der Palliativstation St. Raphael war der schönste Auftrag, den ich hatte, auch wenn es nicht immer leicht war."
Schwester Beatrix
Ganze 50 Jahre arbeitete die rüstige Ordensschwester Walburga im Göttlicher Heiland Krankenhaus. „Unser Auszug ist bald zehn Jahre her. Natürlich ist jetzt alles moderner, aber unsere Zeit war auch schön“, bekräftigt Walburga. „Ich war bis 2016 auf der Ambulanz tätig. Bei der Übernahme durch die Vinzenz Gruppe hat sich an meiner Arbeit nichts geändert.“ Sie erzählt, dass sie als Krankenpflegerin auf der Chirurgie, Urologie, Gynäkologie, im Kinderzimmer und auf der Inneren Medizin gearbeitet hat. „Die Interne war am besten“, lächelt sie und erwähnt unter anderem Prim. Dr. Katzenschlager als geschätzten Kollegen.
„Der Orden war von Beginn an dafür offen, eine Palliativstation ins Leben zu rufen. Es entspricht den Werten des Ordens, dass man Sterbenskranken, die Schmerztherapie und Pflege benötigen, Hilfe schenkt“, erinnert sich die heute über 90-jährige Schwester Beatrix an die Geburtsstunde der Palliativstation St. Raphael. Gemeinsam mit Schwester Jacinta hat sie die Idee zu dieser ersten Palliativstation Österreichs umgesetzt. Auch wenn sie sich an schwierige Situationen erinnert, nennt sie die dortige Arbeit „den schönsten Auftrag, den ich je hatte.“ Sie beschreibt: „Man begleitet den Menschen auf seinem letzten Weg und bei seiner wichtigsten Entscheidung: jene, die Augen zu schließen.“ Sie habe viel gearbeitet, aber gerne, und hat sich immer zuhause gefühlt im Göttlicher Heiland Krankenhaus. Auch heute empfindet sie noch eine Verbindung zum Haus, das sich aus der Sicht der Schwestern sehr wohl äußerlich aber nicht „innerlich“ verändert hat. Schwester Alfonsa beschreibt den Übergang des von Ordensschwestern geführten Krankenhauses an die Vinzenz Gruppe mit diesem Zitat: "Wenn du willst, dass alles bleibt wie es ist, muss du viel verändern."

Die Ordensschwestern heute

Die ehemalige Verwaltungsdirektorin und Geschäftsführerin Schwester Columba lernte kürzlich die jetzige Geschäftsführerin Mag. KommR Michaela Latzelsberger kennen. Insgesamt arbeitete und lebte sie bis 2003 40 Jahre im Göttlicher Heiland Krankenhaus - beschäftigt unter anderem in der Säuglingsstation, in der Aufnahmekanzlei und im Management. Meilensteine, die in ihrer Zeit umgesetzt wurden, sind zum Beispiel die Palliativstation und das Unterstützungsprogrammes für junge Mütter. Angesichts des 90-jährigen Jubiläums vergleicht Schwester Columba das Göttlicher Heiland Krankenhaus mit einer Blume: "Die Wurzeln sind die Ordensschwestern, aber es ist schön zu sehen, welche schöne Blüte daraus bis heute entstanden ist."